Lass die Leute reden - oder wie schwer es ist, zu sich selbst zu stehen

Aktualisiert: 21. März 2020

Echte Freiheit entsteht, wenn uns egal ist, was die Anderen über uns denken.

Überall wird davon geredet, dass man erst so richtig frei ist, wenn einem egal ist, was die Leute über einen denken. Das wir, wenn wir mit unserer ganzen Persönlichkeit nach außen gehen, zwangsläufig anecken werden. Das es immer jemanden geben wird, der uns nicht gut findet. Das es immer Menschen geben wird, die versuchen werden, uns klein zu halten, uns auszubremsen, uns runterzuziehen.

Klingt logisch.


Aber sind wir doch mal ehrlich.

Leicht ist das nicht.

Kann mir keiner erzählen, dass es auch nur einen Menschen gibt, dem es wirklich völlig pupsegal ist, was andere von ihm denken.

Es gibt sicherlich Unterschiede zwischen uns, wie intensiv es an uns rührt, wenn Leute über uns reden oder schlecht von uns denken.

Aber egal ist es sicher niemanden.


Ich habe mein ganzes Leben lang mein ganzes Sein darauf ausgerichtet, anderen zu gefallen.

Das war äußerlich vielleicht nicht mal unbedingt zu merken.

Innerlich habe ich jedoch gelitten.

Weil ich schon immer polarisiert habe.

Es gibt Menschen die finden mich gut.

Die mögen meine Art, mein Auftreten, meine Worte.

Und es gibt die Anderen.

Lange, lange Zeit habe ich versucht auch denen zu gefallen.

Habe mich angepasst.

Ständig.

Ich habe versucht so zu sein, dass mich alle mögen.

Irgendwann sagte ein lieber Kollege zu mir: "Patrizia du polarisierst. Du wirst nie allen gefallen. Das musst du auch gar nicht. Finde dich damit ab."

Peng. Das hat gesessen.

Und trotzdem hat es noch lange nicht dazu geführt, dass ich diese Worte umsetzen oder gar leben konnte.


In Wahrheit ist es nämlich so, dass wir alle wissen, dass wir uns nicht, um das scheren sollten was die Anderen denken.

Unser Verstand weiß das.

Aber es wirklich zu leben ist eine ganz andere Nummer.


Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht (ja klar, jemand anderes macht meine Erfahrungen ja nicht), dass ich erst anfangen konnte, mich weniger darum zu scheren, was die Anderen Denken, als ich Stück für Stück mich selbst gefunden habe.

Je mehr ich über mich herausfinde.

Je mehr ich mich traue, meinem Wesen zu entsprechen.

Je mehr ich lebe, was ich wirklich bin.

Desto mehr komme ich wirklich zu der inneren Grundhaltung, dass es mir egal ist, was andere Leute über das was ich tue und bin, denken.


Bitte versteh mich nicht falsch.

Es geht nicht darum, dass mir alles egal ist.

Natürlich interessiert mich die Meinung von meinem engeren Umfeld (!).

Oder von meiner Community auf Instagram. Oder meinen Kunden.

Und ganz sicher auch von meinen Mitarbeiter_Innen.


Aber - und das ist der entscheidende Unterschied - ich mache mich nicht mehr davon abhängig.

Zu sich zu stehen, ist niemals respektlos und schon gar nicht egoistisch (was für ein verpöntes Wort).

Zu sich zu stehen ist vor allen Dingen mal eins: Gesund.


Und wenn du zu dir selbst stehst, kannst du das eben sehr gut nach außen vertreten.

Du kannst dir anhören, was dein näheres Umfeld dazu zu sagen hat.

Und dann kannst du bewerten, ob du es trotzdem tun willst.

Ich achte allerdings immer mehr darauf, wer mir das Feedback gibt und aus welcher Perspektive und aus welcher Motivation heraus.

Ich halte mich immer mehr von Menschen fern, die mich klein halten wollen. Die Bedenkenträger sind.

Diese Ratschläge brauche ich nicht.

Das zu erkennen und auszusortieren ist schon viel wert.


Und dann ist es so, dass zu deiner Persönlichkeit zu stehen, außerhalb deiner Komfortzone liegt.

Wenn es innerhalb liegen würde, hättest du es ja schon dein ganzes Leben lang so gemacht oder?

Von daher ist es immer eine Gratwanderung, wann man auf die Anderen höheren, wann man auf sein eigenes Bauchgefühl hören und wann man es eben nicht tun würde.

Der einzige Ratgeber, auf den du auf keinen Fall hören solltest ist deine Angst.

Du kannst sie fragen, warum sie da ist (meistens ist das auch sehr wertvoll), aber denke daran, dass die Angst eine Schutzfunktion ausübt. Sie will nur eins dich beschützen. Um jeden Preis. Das ist nicht immer gut für dich und deine Entwicklung.

Versuche hinter deine Angst zu schauen.

Wenn du das ein bisschen übst und es dann schaffst, dann kannst du immer klarer sehen, dass die Angst dich wirklich zu zeigen, nichts mit der Realität sondern mit deinen Erfahrungen zu tun hat. Mit Erfahrungen, in denen du gelernt hast, dass es weh tut, wenn du bestimmte Seiten deiner Persönlichkeit zeigst. Diese Erfahrungen gilt es zu heilen und zu überwinden.

Ganz sachte und in deinem Tempo.

Alles zu seiner Zeit.

Aber eben immer außerhalb deiner Komfortzone.

Ich möchte dir an meinem eigenen Beispiel zeigen, dass du das überwinden kannst.

Ich habe Zeit meines Lebens gelernt, ich würde zu viel Raum einnehmen.

Ich war immer zu laut, zu unangepasst, zu unbequem.

Zu sehr im Vordergrund.

Ich müsse mich mehr zurückhalten, hieß es.

Irgendwann habe ich es angefangen.

Ich habe versucht mich mehr zurückzunehmen.

Hab mich nicht mehr getraut, meine Meinung zu vertreten.

Hab mich nicht mehr getraut, dazu zu stehen, dass es mich nicht stört im Mittelpunkt zu stehen,

Hab mich nicht mehr getraut, für mich einzustehen.

Ich wurde immer unsicherer, wie ich mich verhalten darf und hatte keinen Plan mehr, was denn "richtig" sei.

Das war mir ewig lange überhaupt nicht bewusst.

Ich merkte nur, dass es mir immer schlechter ging.

ich verlor mich immer mehr selbst (das ist eine lange Geschichte, von der du hier immer wieder Teile lesen und erfahren wirst, wenn du magst).


Als ich meine Reise zu mir selbst begann, hatte ich buchstäblich keine Ahnung wer ich bin.

Da war ich noch Jahrhunderte davon entfernt, auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, dass es mir egal ist, was die Anderen von mir denken. Vorher musste ich erstmal herausfinden, wer ich denn überhaupt bin.

Hinter all den Geschichten, die ich über mich selbst geglaubt habe.

Hinter all den Ängsten, in denen ich jahrelang lebte.

Vergraben unter all den Schutzmauer, die ich um mich errichtet hatte.

Ich musste in Kontakt kommen mit meinen Gefühlen.

Mit meiner Wut.

Mit meinem Schmerz.

Mit meiner Angst.

Mit meinem ureigenen Wesen.

Ich nahm mich einmal komplett auseinander.

War diese Reise leicht?

Nope.

Hat es sich gelohnt?

Na aber sowas von.

Und jetzt wo ich so langsam eine Ahnung habe wer ich bin.

Wo ich erkannt habe, das ich eine sehr starke Persönlichkeit bin.

Und mir nicht nur erlaube, dass zu denken, sondern auch nach Außen dazu zustehen.

Erst jetzt kann ich anfangen, dass es mir beginnt egal zu sein, was die Anderen denken.


Du siehst also, dass es leichter daher gesagt ist, dass es einem egal ist, was die Anderen denken, als es dann tatsächlich ist.

Aber du siehst auch, dass es einen Weg dahin gibt.

Ich möchte dich ermuntern ihn zu gehen.

Wenn du möchtest, gehe ich gerne mit dir mit.

Melde dich bei mir.


Deine Patrizia


Photo by Zoltan Tasi on Unsplash





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