Über Vaterwunden die uns prägen und wie wir sie auflösen können

Heute soll um eine unserer größten Wunden gehen.

Deine.

Und meine.

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In der letzten Zeit begegnen mir immer mehr Frauen, die alle ein Thema haben.

Eine Wurzel.

Einen Ursprung.

Eine gemeinsame tiefe Verletzung, die sie geprägt hat.

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Heute wird es Zeit, dass wir darüber sprechen.

Das ich darüber schreibe.

Um dir zu zeigen, dass du nicht allein bist.

Mit deiner Wunde.

Das wir sie kollektiv erlebt haben.

Und wir sie gemeinsam tragen können.

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Eine Wunde zugefügt von abwesenden Vätern.

Auf die eine oder andere Art abwesend.

Ihr Rolle nicht annehmend.

Nicht weil sie nicht wollten.

Sondern weil sie nicht konnten.

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Es geht nicht um Schuld.

Und auch nicht um lautes Feminismusschreien.

Es geht nicht um Fingerpointing.

Oder darum die Verantwortung von dir zu weisen.

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Es geht um deine Wunde, die dich geprägt hat.

Die bei uns schwelt.

Bei der einen mehr und bei der anderen weniger ausgeheilt.

Aber da.

Immer noch oder gerade im Moment da.

Eine unserer Urwunden.

Unserer tiefsten, schmerzhaftesten, ursprünglichsten.

Eine Wunde, die unser Wesen ausmacht und uns geprägt hat, wie keine andere.

Die uns ausmacht.

In unserer Beziehung zu uns selbst.

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Photo by Cristian Newman on Unsplash

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Es geht darum, dass du dich so sehr danach gesehnt hast, das er da ist.

Das er dich gehalten hätte, als du ihn brauchtest.

Das er dich gesehen hätte, als du es brauchtest.

Das er dich begleitet hätte in das so wichtige Vertrauen in dich selbst

Das er dir Vertrauen ins Leben gezeigt hätte.

Das er seine Rolle als Vater angenommen und der Erwachsene gewesen wäre.

Das er dir Beziehungen vorgelebt hätte.

Das er diese Wunde nicht verursacht hätte.

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Es geht darum, dass du endlich das Gefühl bekommst, gut genug zu sein.

Ohne etwas dafür zu tun.

Nur dafür, in dem du bist.

Nur dafür, wer du bist.

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Es geht darum, dass du beginnst diese alte Wunde schließen.

In den Frieden zukommen.

Mit dir selbst.

 

Die Beziehung zu unserem Vater kann unfassbar schmerzhaft sein, Er ist unsere erste Beziehung zum anderen Geschlecht. Und prägt uns - genau wie unsere Mütter nachhaltig. Gewollt oder ungewollt. Das lässt sich einfach nicht vermeiden. Über die Beziehung zu unseren Müttern wird oft gesprochen. Darüber, welche Spuren sie auf unserer Seele hinterlassen. Von unseren Vätern sprechen wir weniger. Und doch zeigt sich in letzter Zeit in immer mehr Gesprächen die ich führe, dass sich ein Bewusstsein zu regen beginnt. Das die Zeit reif ist. Abseits des derzeit lauten Feminismus. Abseits davon beginnen sich leise Stimmen zu regen. Die darüber zu sprechen beginnen, welche Wunde ihren Väter hinterlassen haben. Ein Erkennen beginnt, welche Rolle unsere Väter dabei spielen, wer wir sind und was wir über uns glauben. Welchen Einfluss sie auf unser Vertrauen in Männer und ins selbst haben. Verursacht von Vätern mit eigenen ungeheilten, unerkannten Wunden.

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Deswegen schreibe ich dir heute. Und versuche in Worte zu fassen, was ich wahrnehme, spüre, höre, sehe und selbst erlebt habe. Wir haben eine kollektive Wunde. Verursacht durch Männer. Doch nicht im feministischen Sinne. Sondern in Bezug auf unsere Väter. Sie waren nicht da, abwesend. Egal ob körperlich, geistig oder seelisch. Und das hat Spuren bei uns hinterlassen. Unausgelebte, unterdrückte Emotionen.

Wunden.

Schmerzen.

Glaubenssätze.

Verzweiflung.

Wut.

Trauer.

Die Unfähigkeit Beziehungen zu führen.

Zu uns selbst oder zu anderen.

Immer auf der verzweifelten Suche danach, gut genug zu sein.

Leistung erbringend.

Uns selbst suchend.

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Ich schreibe dir das, weil ich dir sagen möchte, dass ich dich wahrnehme.

Das ich dich sehe.

Und weil ich dir sagen möchte, dass du nicht allein bist.

Es gibt ganz viele andere wie dich.

Die ebenso tief verletzt mit sich allein sind und nicht wissen, was sie mit dieser Wunde machen sollen. Sie vielleicht nicht einmal kennen.

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Sie zeigt sich auf verschiedenen Weisen.

Über die bereits erwähnte Beziehungsunfähigkeit.

Über fehlende Verantwortung gegenüber dir selbst bis hin zum Opfermut (die anderen sind schuld)

Sie zeigt sich in dem Gefühl, nie genug zu sein, immer etwas tun zu müssen.

Sie zeigt sich über Kälte und Härte nach außen und innen.

Bis hin zu einer gewissen Distanzierung gegenüber dir selbst.

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Und so rennst du durch dein Leben und versuchst die Wunde zu überdecken.

Dich vor ihr zu verstecken.

Sie zu verdrängen.

Und hast schon alle möglichen Wege probiert.

Du betäubst dich mit Arbeit, Leistung, Sport, Essen, Alkohol oder was auch immer dein Versuch ist dich von dem wegzubringen, was da in dir schlummert.

Diesem tiefen Schmerz, der kaum auszuhalten ist.

Eine Dunkelheit und Schwere, die dich scheinbar zu verschlingen droht, wenn du auch nur in ihre Richtung blickst.

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Ich war dort.

In dieser Dunkelheit.

In dieser Schwere.

In dieser Ohnmacht.

In dieser fassungslosen, tiefen Wunde.

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Ich habe hingeschaut.

Und ich habe sie angefasst.

Ihre Schichten durchschritten.

Gelitten.

Schrecklich gelitten.

Alles gefühlt, was da war.

Zu Beginn war da schreckliche Angst.

Existenzbedrohende Angst.

Kaum aushaltbar.

Dann war da Wut.

Unfassbar mächtige, kalte, kräftezehrende Wut.

Schmerz.

Trauer.

Schuld.

Scham.

Ekel.

Picture: Photo by Darius Bashar on Unsplash


Und ganz darunter begann das Verstehen.

Das leise Verstehen was ist.

Was war.

Warum was war.

Warum ich was bin.

Warum ich wie bin.

Und dann begann das vorsichtige, zaghafte zusammensetzen meiner Selbst.

Aus dem zerbrochenen Spiegel der vor mir lag.

Stand ich da.

Nackt.

Ohne Identität.

Und begann mich Stück für Stück neu zusammen zu setzen.

Vertrauen zu pflanzen.

Halt zu finden.

Mich zu entfalten.

In mir.

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Dadurch hat sich ein neuer Weg aufgetan. Ein Weg auf dem ich immer noch bin. Der Weg des loslassens.


 

Beginn deine Schichten abzutragen.

Deine Wunde zu heilen.

In dem du sie anerkennst.

In dem du sie siehst.

Geh in dich und schau was da ist.

Sag ihr, dass du sie siehst.

Das du sie wahrnimmst

Das du sie nicht bewertest und sie da sein darf.

Das du sie nicht mehr wegwünschst.

Sondern dich ihrer annimmst.

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Und dann kannst du auf den Prozess vertrauen.

Schritt für Schritt.

Geh mit ihm mit.

Es wird sich nur das zeigen, wozu du bereit bist.

Und beginne Schicht für Schicht abzutragen.

Von der alten, schwelenden Wunde,

Du bist nicht allein.

Lass dir Zeit.

Schau hin.

In deinem Tempo.

Fühle, was gefühlt werden will.

Heile deine Vaterwunde.

In dem du sie annimmst und akzeptierst, dass sie da ist.

Das ist der erste Schritt.

Der wichtigste.

Alles andere kommt von allein.

Zu seiner Zeit.

Zu deiner Zeit.

Du bist gut genug.

Genau wie du bist.

Du machst alles richtig.

Genauso wie du es machst.

Du bist genug.

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Deine Patrizia






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