Wut

Aktualisiert: 8. Feb. 2021

Ich möchte Dich heute mit auf die Reise nehmen zu einem für die meisten eher unbequemen Thema. Dem Thema Wut.

  1. Einführung

  2. Wie die Wut in unserem Körper wirkt.

  3. Wut einmal neutral betrachtet.

  4. Die Potenziale der Wut

  5. Warum fällt es uns so schwer mit unserer Wut umzugehen?

  6. Meine Erfahrungen mit unterdrückter Wut.

  7. Wie kommst du in Kontakt mit deiner Wut?

  8. Was hat jetzt nochmal mein Körper mit meiner Wut zu tun?

  9. Wie kann ich meiner Wut Luft machen?

  10. Was mache ich, wenn ich auf/vor meine/n Kinder/n wütend werde?


1. Einführung

Wut ist offenbar eine Emotion mit der wir alle nicht so richtig können. Wut ist etwas was uns schwer fällt und ich habe in der letzten Zeit einige Fragen dazu bekommen und deshalb mache ich heute eine Blogartikel für dich, um dir ein paar Wege zu zeigen deine Wut besser kennenzulernen und sie besser zu verstehen. Zunächst hilft es oftmals sich damit zu beschäftigen, was eine Emotion eigentlich ist, wie sie entsteht und warum sie da ist. Denn was wir verstehen macht uns weniger Angst (zur Angst wird es demnächst auch ein Blogartikel geben).


2. Wie die Wut in unserem Körper wirkt.


In einem unserer ältesten Systeme, dem limbischen System im Gehirn, da gibt es

einen kleinen feinen Ort namens Amygdala. Und dort entstehen nach heutigem Stand der Wissenschaft einige unserer (von uns unangenehm bewerteten) Emotionen.

Spannend daran ist zu erfahren: Was ist denn da los in der Amygdala? Die Amygdala ist nämlich normalerweise eingeschränkt. Von unserer Großhirnrinde. Die passt auf und regelt alles so ein bisschen in normale Bahnen. Unter besonderen Umständen, wie bspw. Stress oder Bedrohung tritt die Amygdala auf den Plan. Sie ist schneller als die Großhirnrinde. Und durch diese Schnelligkeit überlistet die Amygdala quasi die Schranken der Großhirnrinde. Schnell zu reagieren ist ein Überbleibsel aus der Evolution und hat uns immer geholfen zu überleben. Die Amygdala sorgt dann ganz schnell dafür, dass all unser Blut in unsere Muskeln gepumpt wird. So dass wir in die Situation versetzt werden angreifen oder fliehen zu können. Di Wut als Emotion ist eine Bewegungsenergie. Sie sorgt zum Beispiel auch dafür, dass unser Körper groß wird und sich aufrichte (wenn wir sie lassen und uns nicht so verkrampfen, dass wir uns vor lauter Anspannung nicht bewegen können und zusammenkauern). Dein Herzschlag wird beschleunigt wird, deine Muskeln spannen sich an und deine Atmung geht schneller. All das sorgt dafür dass du schneller reagieren kannst auf das was da kommt.


3. Wut einmal neutral betrachtet.


Zunächst sind Emotionen einmal nicht negativ.

Nur unsere Bewertung ist es.

Wie du an der vorherigen Beschreibung gesehen hast, hilft Wut uns in bestimmten Situationen.


Stell dir doch einfach mal vor, du hättest nicht gelernt, dass Wut negativ ist. Schau dir doch einfach mal an, was Wut denn sein könnte für dich. Welche Möglichkeiten eröffnen sich dir?

Zu allererst bringt dir Wut ganz viel Kraft deinen Körper. Er ist angespannt, alles ist auf Alarmbereitschaft und du entwickelst dadurch eine enorme Energie.

Diese Energie führt dazu, dass du ganz viel Kraft hast und das führt wiederum dazu, dass du


  • Durchsetzungsvermögen entwickelst

  • entschlossen sein kannst

  • dafür sorgen kannst, dass deine Grenzen gewahrt werden,

  • dafür sorgen kannst, dass Distanz zu dir gewahrt wird.

  • deutlich wirst

  • vielleicht deinen Freiheitsdrang umsetzt und

  • dir Stabilität und Robustheit verschaffst.

Das hört sich doch gar nicht so schlecht an oder? Die meisten von uns haben aber Angst vor den Gefahren der Wut. Angst davor, dass wir, wenn wir die Wut rauslassen, Grenzen überschreiten oder vielleicht gewalttätig werden (das assoziieren doch die meisten von uns ganz schnell mit Wut). Das wir in der Rage Dinge sagen, die andere abwerten oder wir Schuldvorwürfe machen oder eben andere mit Verallgemeinerungen trifft, usw.


Ich würde mich aber gerne mit dir auf die Potenziale der Wut konzentrieren.


4. Die Potenziale der Wut.


Jetzt stell dir doch einfach mal vor, du hättest überhaupt gar keine Angst vor der Wut in dir. Du könntest diese wahnsinnige Energie und Kraft, die Wut mit sich bringen kann , für dich nutzen. Sie für dich einsetzen.

Stell dir doch nur mal ganz kurz vor, du müsstest sie nicht mehr unterdrücken, sondern könntest wirklich so in Kontakt mit ihr kommen und erfahren, dass sie dir in deinem Leben hilft.

Wäre das nicht eine super spannende Möglichkeit?

Nutze sie, um dich durchzusetzen.

Um entschlossen deinen Weg zu gehen und vor allen Dingen auch deine eigenen Grenzen zu wahren.

Emotionen zeigen uns aus meiner Erfahrung ganz oft, dass unsere Grenzen überschritten worden sind. Wenn du dir das bewusst macht, kannst du ja auch deine Wut als eine Art Warnsystem nutzen. Sie tippt ich an, indem sie dir sagt: "Hey da hat jemand deine Grenze überschritten, mach was. Da ist jemand zu weit gegangen, da hat jemand dich in deiner Freiheit eingegrenzt oder ist einfach über etwas übertreten, was dir wichtig ist. Nutze deine Emotionen, in dem du beginnst mit ihnen zu kommunizieren.

5. Warum fällt es uns so schwer mit unserer Wut umzugehen?

Die Antwort ist ganz einfach. Wir haben es nicht gelernt. Und weil auch meistens unsere Eltern es nicht gelernt haben. Wie sollen sie es uns dann beibringen?


Und wenn wir die Dinge nicht lernen, dann können wir das nicht.

Und genau da entsteht nach meiner Meinung eigentlich erst das Problem mit der Wut. Wir lernen nicht sie auszuleben, damit umzugehen. Wir unterdrücken sie. Unsere Vorfahren hatten ganz natürliche Situationen in denen sie ihre Wut-Energie und die Angst brauchten, um zu überleben. Der Unterschied zu uns ist. Er ist diese Energie auch gleich wieder losgeworden, indem er vor einer Gefahr weg laufen musste oder sich verteidigt hat. Somit ist diese riesige mächtige Energie die in uns entsteht auch gleich wieder umgesetzt worden. Das machen ganz viele von uns nicht Weil wir es eben nicht gelernt haben. Dadurch dass unsere Eltern es oft nicht gelernt haben. Und mal unter uns beiden, es hat in der Gesellschaft auch irgendwie so einen negativen Touch oder? Wut böse. Wut ist gefährlich. Wut gehört sich nicht. Schon gar nicht bei Mädchen. Wir lernen sehr sehr früh, dass sie falsch ist und das wir sie weder äußern noch darüber zu sprechen oder eben lernen damit umzugehen.

Das hat dann zur Folge, dass irgendwann ein Cut statt findet und wir gar keinen Zugang mehr zur Wut haben. Zumindest war das bei mir so. Ich wusste bis vor drei Jahren gar nicht was Wut eigentlich ist bzw. das ich furchtbar wütend war.

6. Meine Erfahrungen mit unterdrückter Wut.


Die unterdrückte Energie bleibt in uns stecken. Ich nehme an du weißt, das Energie ein Zustand bzw. etwas ist, was nicht verloren geht. Das hat zur logischen Folge, dass alle die unterdrückte Energie in dir stecken bleibt. Ein Energie Ball in dir drin, der immer größer wird und du ignorierst ih, schluckst ihn runter.


Unser Körper, ist darauf ausgerichtet. Er wird von der Amygdala aus gesteuert, damit unsere Muskeln sich mit Blut Vollpumpen. Anspannung wird aufgebaut. Damit baut sich diese riesige Energie auf. Wenn du das nicht kanalisieren und damit umgehen kannst, dann bleibt die Energie quasi wie in dir stecken. Bei mir hat sich das ganz extrem geäußert über Jahrzehnte hinweg dass ich unter anderem die Zähne zusammen gebissen habe. Ich nehme an du kennst den Satz: "das Leben verbissen sehen"?

Was aus dieser unterdrückten Wut für Schmerzen in meinem Körper entstanden sind ist für mich erst im Nachhinein erklärbar. Auch heute ist das noch so, wenn ich wütend bin und das nicht realisiere (du erinnerst dich, ich hatte vollständig den Kontakt zu meiner Wut verloren und deshalb fällt es mir heute noch schwer sie sofort zu erkennen, wenn sie kommt), dann kriege ich brutale Schmerzen: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schulterschmerzen. Mein ganzer Körper verkrampft sich brutal und die Schmerzen ziehen sich zur Not auch mal durch den ganzen Körper. Und ich übersehe immer wieder, dass es meine Wut ist, die da anklopft und raus will. Und damit habe ich ganz viele Jahrzehnte gelebt. Ohne auch nur die geringste Ahnung, dass es Wut war. Ich erzähle dir diese Geschichte von mir, weil ich dich gerne mitnehme möchte. Auf eine Reise dahin deine Wut kennenzulernen. Ich möchte dir Schritt für Schritt Ideen an die Hand geben, wie ich mit meiner Wut in Kontakt gekommen bin und was du vielleicht für dich ausprobieren kannst. Denn Wut unterdrücken kostet dich wahnsinnig viel Energie. Viele von uns haben solche Angst davor, dass die Wut überhand nimmt und sie uns beherrscht, dass wir die Kontrolle verlieren, wenn wir sie raus lassen.Wie ich eingangs schon erwähnt habe, was wir nicht kennen, macht uns Angst. Also lade ich dich ein, sie kennenzulernen, deine Wut. Finde heraus wo sie herkommt und was sie will und was du mit ihr machen sollst, Ich bin mit meiner Wut eigentlich erst in Kontakt gekommen durch meinen Mann. Er ist grundsätzlich ein grundentspannter, in sich ruhender Typ. Er kann aber auch furchtbar wütend werden, wenn es sein muss. Das braucht ganz schön lange, aber wenn, dann explodiert er richtig. Da war ich anfangs immer völlig irritiert. Ich fragte mich, wie man so wütend sein kann und habe das furchtbar verurteilt. Er hat das dann wirklich richtig rausgelassen. Körperlich. Das kannte ich überhaupt nicht. Ich habe mein Eltern niemals wütend erlebt. Du? Mein Mann hat mir dann gezeigt, dass er seine Wut rauslässt. Egal ob via Sport oder eben auch mal durch schreien, damit hat er mich dann so auch ein Stück weit mit begleitet. Ranzukommen an meine Wut.

Ich bin nämlich irgendwann nicht mehr weitergekommen. Jahrelange starke körperliche Schmerzen, mein ganzer Körper war verspannt.

Weil ich meine Wut immerzu unterdrückt habe.

Weil ich nie meine Grenzen gewahrt habe.

Weil ich mich nie verteidigt habe.

Mich nie getraut habe, raus zu lassen und zu sagen wer ich bin und was ich will. Und das ist auch einer der Gründe warum es "Werde wer du bist" gibt. Weil ich mich auf den Weg zu mir selbst gemacht habe, um mich selbst zu finden und in Kontakt mit mir und meinen Emotionen und unterdrückten Anteilen zu kommen.

Durch einen Zufall bin ich dann irgendwann zu einer Körpertherapeutin gekommen. Sie kam ziemlich schnell auf das Thema Wut. Wir haben in ihrem Therapieraum gesessen und sie hat ein Kissen für mich hingelegt und hat mich in eine Situation geführt, in der ich Kontakt aufnehmen konnte zu meiner Wut. Es stellte sich schnell heraus, worauf ich bereits als Kind furchtbar wütend war. Nach dem wir die Situation gefunden hatten und sie mir die Regeln für das nun kommende erklärt hatte, hat sie mich aufgefordert meine Wut in das Kissen zu hauen. Daraufhin habe ich sie völlig pikiert und schockiert angeschaut. Und sie bestätigte erneut, dass ich in das Kissen hauen solle. Und in dem Moment wusste ich, dass ich jetzt über diese Schwelle treten muss, sonst würde ich nie drüber treten. In mir war eine riesige Barriere, zu tief saß die Furcht vor der Wut. Und ich trat über diese Barriere. Ganz zaghaft habe ich angefangen, in dieses Kissen zu hauen (angeleitet durch die Therapeutin, die dabei eine bestimmte Rolle übernahm). Die Körpertherapeutin hat mich durch diesen ganzen Prozess begleitet und unterm Strich habe ich es dann wirklich geschafft. Vor dieser mir völlig fremden Personen. Ich ließ meine gesamte Wut, über Jahrzehnte angestaut raus. Ich ließ es zu so wütend zu werden, dass ich Minuten in dieses Kissen geprügelt habe. Geprügelt während sie dazu einen Dialog mit mir geführt hat, dass ich über diese Wut sprechen konnte und diese Kombination aus sprechen und in dieses Kissen hauen hat dazu geführt, dass ich diese angestaute Wut in dieses Kissen hauen konnte. Das war so intensiv, dass mir danach ungelogen 3 Tage lang alles weh getan hat. Das war mein erster Kontakt mit meiner Wut.


7. Wie kommst du in Kontakt mit deiner Wut?


Was ich dir daraus mitgeben möchte ist gar nicht, dass du dir einen Körpertherapeuten suchst der dir dabei hilft deine Wut in ein Kissen zu hauen. Das ist ein Weg, den du beschreiten kannst. Was aber viel wichtiger ist,ist dass du anfängst dich mit deinen Emotionen zu beschäftigen, dich wirklich mal darauf einzulassen und dich zu entscheiden. Den ja, es ist auch ein Stück weit eine Entscheidung. Entscheide dich, dass du dich auf die Suche nach deiner Wut machen willst. Ich glaube, dass jede von uns in ihrem Körper unverarbeitete, aufgestaute Wut versteckt hat. Deshalb lade ich Dich herzlich ein dich auf die Suche nach deiner Wut zu machen und dich dafür zu entscheiden nach den Ursachen für deine Wut zu machen. In dem du einfach anfängst dich damit zu beschäftigen. Und dir zu erlauben, dass du dich damit beschäftigen darfst. Es das geht gar nicht darum die Wut jetzt sofort irgendwie raus zu lassen. Das ist auch ein Weg und ein Prozess. Zumindest ist das meine Erfahrung.


Beginne die selbst zu beobachten und darauf zu achten, wann deine Wut überhaupt auftritt. Wie sie sich bei dir anfühlt. Wenn es dir anfangs noch nicht gleich gelingt, in dem Moment der Wut darauf aufmerksam zu werden, kannst du das auch im Nachhinein machen. Wenn du wütend geworden bist, setz dich abends hin und schreib dir auf was du erlebt hast, was passiert ist und analysiere, warum du wütend geworden bist. Frag dich, was der Hintergrund/der Anlass war. Und dann fang es aufzuschreiben und frag dich, wie war es für dich, hat es dir gut getan. Reflektiere, was du von deinen Eltern übernommen hast. Finde heraus, was du in dem Moment der Wut gebraucht hättest und was du in Zukunft machen willst mit deiner Wut.

Stell dir selbst Fragen wie bspw. Was wäre denn anders, wenn du deine Wut rauslassen würdest? Was denkst du, wäre das schlimmste was passieren kann, wenn du sie rauslässt? Beschäftige dich mit diesen Fragen und reflektiere einfach. Das ist nach meiner Erfahrung der erste Schritt, um dich mit solchen Emotionen auseinanderzusetzen und dem Raum zu geben (vor allem, wenn du eher zu der Fraktion wie ich gehörst, die so gar keinen Kontakt zu ihrer Wut haben)


8. Was hat jetzt nochmal mein Körper mit meiner Wut zu tun?


Eine weitere Möglichkeit ist auch, deinen Blick auf deinen Körper zu wenden. Oftmals ist unser Körper ein Ausdruck von unseren unterdrückten Emotionen,

Zum Beispiel, wenn du regelmäßig Schmerzen hast oder Verspannungen oder auch Tinnitus Kopfweh oder mit den Zähnen knirschst. Vielleicht versteckt sich dahinter umausgelebte Wut, die du versuchst zurückzuhalten. Ich bin sicherlich kein Verfechter davon, dass ich sage die Symptomdeutung von Krankheiten ist etwas, was man anstatt der Schulmedizin anwenden sollte. Ich glaube aber sehr wohl, dass es zur Schulmedizin ergänzend ein wunderbarer Weg ist Kontakt mit sich selber aufzunehmen. Weil unser Körper ein ziemlich guter beim Hinweisgeber ist, wenn wir irgendwie falsch unterwegs sind und wir nicht so richtig auf uns achten. Und weil Krankheit immer ganzheitlich betrachtet werden sollten und nicht nur auf physischer Ebene.


Wenn ich wieder einmal zu schnell im Leben unterwegs bin.

Wenn ich zu viel im Außen unterwegs bin und mich zu wenig mit mir und meinen Emotionen beschäftige.

Wenn ich mich zu sehr unter Stress setze usw., dann ist mein Körper ein sehr guter und schneller Signalgeber, der sagt: Moment mal, da läuft irgendwas falsch. Vielleicht ist es bei dir auch so.

9. Wie kann ich meiner Wut Luft machen?

Dieser Artikel soll nicht dazu führen, dass du zukünftig völlig ungefiltert in den wildesten Situation vollständig ausflippst (wobei das vielleicht manchmal auch echt geil sein ;-))

Aber ich möchte dich wirklich ermutigen deiner Wut Luft zu machen.

Im ersten Schritt brauchst du dafür deine innere Erlaubnis. Nach dieser Erlaubnis, kannst du ja erstmal anfangen wenn wütend bist,dich selber zu beobachten und kennenzulernen was die Vorboten von deiner Wut sind. Was empfindest du denn? Was nimmst du wahr und analysiere das wie oben beschrieben. Vielleicht gelingt dir das am Anfang gelingt nicht direkt in der Situation, aber wenn du das eine Weile übst, kannst du das irgendwann auch direkt in der Situation. Das ist dann ein bisschen so, als ob du neben dir selbst stehst und dich neutral beobachtest und feststellst, dass du jetzt gerade wütend bist. Wenn du dieses beobachten immer weiter übst und es lernst, dann kannst du das in der Situation immer besser. Wo sitzt denn deine Wut? Ich meine wirklich rein körperlich. Wo spürst du sie? Dem einen "schwillt der Hals zu" (sprichwörtlich), bei der Nächsten verkrampfen die Schultern oder es sitzt dir "eine Last auf der Brust" oder du bekommst Magenschmerzen. Was auch immer es ist, versuche es herauszufinden. Darauffolgenden beginne Weg zu finden, mit deiner Wut in Kontakt zu treten. Ein wirklich probates Mittel ist Laufen. Und ich meine nicht schnelles spazieren gehen ich meine Rennen. Richtiges, über die Grenzen hinausgehendes Rennen. Mir hilft das ungemein. Wenn du rennst, denk an deine Wut und lass sie rauskommen. Du wirst überrascht sein, wie schnell du rennen kannst und vor allem wie gut und lebendig sich das anfühlen kann. Ich bin so jemand, ich brauche es über meine körperlichen Grenzen zu gehen Wozu ich dich auch unbedingt einladen möchte ist: Geh irgendwo alleine in den Wald oder sonst irgendwo hin und trau Dich mal zu schreien. Richtig laut schreien. Das kostet meistens am Anfang Überwindung. Aber lass es mal raus. Ich meine wirklich brüllen und schreien. Benutze Wörter die du sonst nie benutzt, wenn dir danach ist. Schrei Sätze hinaus, die in dir feststecken. Oder brüll einfach so. Eine dritte Möglichkeit die ich gerne nutze ist im richtigen Scheißwetter zu laufen. Joggen bei Regen und Gewitter. Was habe ich da schon für Kämpfe gekämpft. Ich gegen die Naturgewalten. Das nordet dich ein, glaub mir. Und hilft dir dich richtig zu spüren. Und im Zuge dessen ist dann der Gipfel der Befreiung, Matsch an Bäume schleudern. Mit voller Wucht. Alles rauslassen. Musst du unbedingt probieren.


Was das verrückteste daran ist: Du wirst sehen, die Welt bleibt nicht stehen. Du wirst deswegen nicht verurteilt. Du wirst deswegen nicht geächtet und geschändet oder sonst irgendwas sondern es ist eine einzige Befreiungsaktion und ich möchte Dich so gerne dazu einladen, das mal auszuprobieren und rauszulassen.


Jetzt kommt bei dir vielleicht innerlich die Frage ja aber was ist denn, wenn ich vor anderen wütend werde. Meine Antwort: Ja und, dann wirst Du eben vor anderen wütend. Meine unbedingte Empfehlung ist, kommuniziere es. Vielleicht im ersten Schritt nicht deinem Chef gegenüber (kommt auf den Chef an :-)), aber vielleicht deinem Partner gegenüber, deiner Freundin oder eben einer Vertrauensperson gegenüber. Sag es, wenn du wütend wirst. Es reicht ein einfacher Satz wie bspw: "Du, das was da jetzt gerade passiert, macht mich unfassbar wütend." That´s it. Das reicht doch schon mal. Weil du dem anderen dann auch klar kommunizierst, was in dir vorgeht. Dein Gegenüber sieht das meistens nicht von allein (wie auch, er oder sie kann ja nicht in dich reinschauen). Und hey, schau mal, du hast dann quasi schon einen Schritt getan, bevor du vollständig explodierst. Auf diesem Weg lernst, deine Emotionen und Bedürfnisse zu kommunizieren und stellst immer besser und schneller fest, warum du wütend wirst. Du wirst überrascht sein, wie dich das befreit, wenn du es einfach mal sagst. Ich glaube ein ganz häufiger Grund, warum wir wütend sind, ist das wir permanent Menschen über unsere Grenzen latschen lassen.

Wenn es gar nicht anders geht und du es nicht kommunizieren kannst, ist immer noch der beste Weg die Situation zu verlassen. Wenn du die Möglichkeit hast, geh an dem Tag noch Laufen. In der akuten Situation hilft auch sehr gut, kaltes Wasser über die Handgelenke laufen zu lassen ( muss echt kalt sein) 10. Was mache ich, wenn ich auf/vor meine/n Kinder/n wütend werde?


Eigentlich kannst du dir doch schon denken, was jetzt kommt. Ich habe eingangs gesagt, dass unsere Eltern nicht gelernt haben, mit ihrer Wut umzugehen und deswegen konnte sie es uns auch nicht beibringen. Was ist demnach unsere Aufgabe? Genau. Wir müssen es unseren Kindern beibringen, es ihnen vorleben. Kennst du auch diese Aussagen, dass man als Mutter nicht vor den Kindern wütend werden darf? Bullshit, wenn du mich fragst. Wir sind Menschen mit Gefühlen. Und es ist unsere Aufgabe unseren Kindern den Umgang mit Wut beizubringen. Natürlich ist das erste Mittel der Wahl immer die Vorsorge. Was heißt das? Sorge für dich. Ich glaube, dass wir ganz oft wütend werden, weil wir überfordert sind.

Weil uns alles zu viel wird.

Und weil wir uns zu wenig um uns selber kümmern.

Weil wir unsere Bedürfnisse missachten und sie schon gleich gar nicht kommunizieren.

Hat auch was mit Grenzen zu tun. Du erinnerst dich? Daraus folgt, dass wir wütend werden. Weil wir schlecht vorgesorgt haben. Wir sorgen uns zuviel um die anderen und zu wenig um uns selbst. Wir wollen immer für alle da sein und immer alle umsorgen. Gern haben wir dann auch noch ein schlechtes Gewissen, wenn wir uns um uns selber kümmern. Das führt zu innerer Zerrissenheit und zu Überforderung. Und das wiederum führt zu Wut.

Dann gilt auch hier wieder, beschäftige dich mit deiner Wut. Setz dich mit ihr auseinander.

Frage dich, wo sie herkommt.

Warum wirst du wütend?

Was hat es mit deinen Kindern zu tun (hat es meistens nicht)?

Auch hier gilt wieder: Lerne deine Wut kennen und verstehen. Wenn du sie besser kennst und verstehst und dann vielleicht auch zulassen kannst, dann wirst du vor deinen Kindern auch weniger wütend.


Und wenn es dann eben doch mal passiert (und glaub mir mir das passiert jeder Mutter früher oder später)dann kommuniziere mit deinen Kindern. Es ist denke ich klar, dass wir nicht handgreiflich werden.

Aber stellen wir uns doch mal vor, es ist passiert. Du bist vor deinen Kindern ausgeflippt, hast sie vielleicht angeschrien oder was durch die Gegen gepfeffert. Das ist nicht schön. Passiert aber. Versuch dich dafür nicht selbst zu zermartern. Sondern geh so schnell wie möglich auf dein/e Kind/er zu. Sprich mit ihnen. Setzt euch hin und erkläre ihnen was gerade passiert ist, dass es dir leid tut und das was gerade passiert ist, nichts mit ihnen zu tun hat. Sag ihnen, dass du wütend warst. Ich benutze gerne Formulierungen in der Ich-Botschaft: "Ich war wütend, das hatte nichts mit dir zu tun und es tut mir leid, wenn ich damit erschreckt habe". Das macht einen Unterschied zu den üblichen Formulierungen wie "Du hast mich wütend gemacht". Damit übergibt man die Verantwortung oder sogar die Schuld dem Kind. Das ist niemals okay. Egal was passiert, wichtig ist, dass wir immer in der Erwachsenenrolle bleiben und die Verantwortung für das Geschehene übernehmen. Erkläre deinen Kindern, dass man Wut rauslassen darf, du aber gerade nicht den richtigen Weg dafür gefunden hast. Sprich mit ihnen, wie sie ihre Wut rauslassen dürfen (eine Kissenschlacht ist super oder auch die Wut in Kissen hauen, aber niemals anderen weh tun usw.). Das ist natürlich auch abhängig vom Alter deines Kindes.


Alternativ empfehle ich immer, verlasse den Raum, wenn du merkst du bist kurz vorm ausflippen. Sag deinen Kindern, dass du kurz ins Bad musst oder in irgendeinen anderen Raum, wo du weißt du bist einen kurzen Moment für dich allein. Auch hier hilft für den ersten Moment der Trick mit dem kalten Wasser (du erinnerst dich?). Schnaufe kurz durch und geh dann wieder zu deinen Kindern zurück. Das waren meine Tipps zum Umgang mit Wut.

Ich hoffe sie helfen dir weiter und du kannst dich nach und nach mit deiner Wut anfreunden. Wenn du dabei Unterstützung benötigst, melde dich bei mir.


Alles Liebe

Deine Patrizia


Alles was du hier gelesen hast und noch ein bisschen mehr, kannst du auch in meinem Podcast hören.


Alle Aussagen hier entsprechen meinen Erfahrungen und sind keinesfalls allgemeingültig. Ich bin weder Psychotherapeut noch habe ich den Anspruch, hier allgemeingültige Aussagen zu treffen. Ich berichte aus meinen Erfahrungen heraus und zeige lediglich Möglichkeiten und Wege, dich ich gegangen bin.


Fotos by www.unsplash.com

(Lopez Robin, Vicky Sim, Pricilla Du Prez, Julian Hochgesang, Fug J)

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