I don´t care - Es interessiert mich nicht mehr

Worum es hier heute eigentlich gehen sollte


Weißt du, eigentlich wollte ich heute einen Blogbeitrag über emTrace® oder Selbstwirksamkeit schreiben. Einen gut recherchierten Artikel, der dir Mehrwert bietet und meinen Ansprüchen genügt. Damit ich etwas leiste und ich eine Berechtigung habe, einen Beweis habe, dass ich als Trainerin was tauge und gut genug bin, um Produkte zu verkaufen. Ja ich weiß bestimmt auch viel, und das teile ich auch gerne mit dir. Aber das ist heute nicht dran.


Stattdessen möchte ich dir lieber eine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Denn das ist es, was ich gerne mache. Ich erzähle gerne Geschichten aus meinem Leben, aus meinen Erfahrungen, aus meiner Sichtweise. In der mir ganz eigenen Weise. Da fängt es dann an zu sprudeln und ich schreibe oder spreche drauf los. Meist habe ich nur ein grobes Gefühl wohin die Richtung geht, aber nicht wirklich einen Plan. Das macht mir am meisten Spass.


Worum es hier stattdessen heute geht


Es ist in den letzten Wochen wieder mal etwas passiert, was ich im Nachhinein so erstaunlich finde, dass ich es dir so gerne erzählen möchte.


Um dir zu zeigen, das irgendwie doch alles möglich ist.



Aber von Anfang an.


Ich habe die letzten 20 Jahre damit verbracht, mich den ganzen Tag danach zu orientieren, was die Menschen um mich herum brauchen, was sie von mir erwarten und wie ich es ihnen recht machen kann. Warum das so ist? Keine Ahnung. Wobei, keine Ahnung stimmt nicht ganz, ich habe ein paar Ansätze herausgearbeitet, warum das so ist. Aber darum soll es heute auch nicht gehen.


Heute soll es um die Qual gehen, die dahinter steht. Geschichten über Geschichten könnte ich dir darüber erzählen, wie ich mich abgemüht habe, allen zu Gefallen und alles richtig zu machen. Eine der anstrengendsten Themen dabei war, die Menschen auf Krampf überzeugen zu wollen. Von einer Idee die ich für toll hielt, von einem Konzept, was ich für die Firma für wichtig hielt, von einem Arbeitsergebnis an dem ich Tage- und Nächtelang gearbeitet habe. Von dem richtigen Weg zu einem Thema, von einem liebevollen Miteinander usw.

Hörst du, wie anstrengend das ist?

Und erkennst du dich vielleicht sogar wieder?


Es hat mich verletzt und gepeinigt, wenn ich mal wieder eine Leistung von mir vorgestellt habe (vor meinem Chef, vor der Geschäftsführung, vor meinen Eltern, meinem Mann und was weiß ich nicht wem) und dafür weder ein - in meinen Augen - angemessenes Feedback noch Anerkennung bekommen habe. Verzweifelt habe ich in Geschäftsführungssitzungen gesessen und auf jedes Augenzwinkern geachtet. War am Boden zerstört, wenn mein Konzept keinen Anklang gefunden habe. Bin bei jedem Zipfel an Widerspruch umgekippt und habe meine Ergebnisse und Vorschläge angepasst, nur um eine Freigabe zu bekommen weiter machen zur dürfen. Dabei war ich sehr leidenschaftlich und emotional völlig aufgelöst und überzeugt von den Themen.


Siehst du, da ist schon ein Teil des Problems, das ich hatte. Ich war emotional völlig aufgelöst. Vielleicht hast du eine leise Ahnung davon, was innerlich für eine Hölle in mir war.


Meine emotionale Stabilität hing vom Außen ab. Vollständig. Emotionsregulation? Fehlanzeige.

Mein Selbstwert, meine Selbstwirksamkeit hing vollständig vom Außen ab. Mein passiver Selbstwert war Null (okay, ich gebe zu, das es einen passiven Selbstwert gibt, wusste ich bis vor kurzem auch noch nicht). Mein aktiver Selbstwert, der war teilweise sehr hoch. Aber wehe, ich kam nicht zum Erfolg mit meiner erbrachten Leistung, dann kippte das komplett.


Und so hangelte ich mich durch die Jahre. Immer meiner eigenen Leistungsgrenze hinterherrennend. Im Hoch, wenn mir etwas gelang und ich erfolgreich war. Ohne Erfolge wirklich zu würdigen. Immer angestrengt hinterherjagend, Anerkennung zu bekommen, damit ich mich gut fühlte. Und wenn ich einen Erfolg hatte, gleich zum nächsten rennend. Innerlich immer gehetzt und unter Druck. Abgewechselt wurde das ganze von tiefen Tiefs. Voller Erschöpfung. Was kein Wunder ist, wenn man stets in einem hohen Arousal und ohne Ruhepausen auf der Flucht vor sich selbst ist.


Und da haben wir den nächsten Stichpunkt, den Fehler im System. Ich war auf der Flucht vor mir selbst. Immer. Ja, ich hatte gar keine Ahnung wer ich bin. Ich wusste nichts über mich. Gar nichts. Bis irgendwann nichts mehr ging. Volles Knockout. Mein Körper schrie schon seit Jahren. Ich ignorierte ihn, verleugnete die depressiven Phasen, schob die Angst- und Panikphasen weg, sobald sie besser waren. Und dann kam eine Trennung. Aus einer sehr ungesunden Beziehung, in der ich alles tat um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen. Mit allen Mustern, die ich dazu parat hatte (und glaub mir, dass waren viele).


Das war mein Weg. Ich war ihn zu Ende gegangen. "Rien ne marche plus" - Nichts geht mehr.

Foto by Julian Hochgesang @unsplash


Ich könnte auch hier noch weiter ausholen und dir von ein paar Irrläufern und ein paar falschen Abzweigungen erzählen. Doch entscheidend ist, ich habe es letztendlich kapiert. Es ging so nicht weiter. Und so machte ich mich auf den Weg zu mir selbst. Wühlte in meinem Selbst, bis ich es fand. Blickte in meine tiefsten Wunden, meine verschlossensten Emotionen und dunkelsten Anteilen. Und begann Stück für Stück herauszufinden, wer ich eigentlich bin.


Und dann ist mir nach einem Gespräch mit einem Kollegen etwas an mir aufgefallen. Irgendwas war anders. Ich habe anders reagiert. Ich lasse mich in Präsentationen nicht mehr verunsichern, Achte nicht mehr darauf, ob es auch jedem gefällt und ich bei jedem gut ankomme und ich jeden im Raum auf Krampf überzeuge. Ich fühle mich nicht mehr in meiner Persönlichkeit angegriffen, wenn jemand nicht zuhört, den Raum verlässt oder kein Interesse an mir wichtigen Themen hat.


Ich stelle inzwischen Ergebnisse von meiner Arbeit vor und weiß, dass sie wirklich wirklich gut sind und ich weiß, dass ich das besonders gut kann: Präsentieren. Ich muss niemanden mehr überzeugen. Entweder mein Gegenüber findet das Thema wichtig oder nicht. Ich mühe mich nicht mehr ab.


Staunend stand ich vor mir selbst. Was war da denn bitte passiert?

Und in mir war die Antwort klar. Es war mir wirklich egal. Ich hatte aufgehört mich abzumühen. Ich hatte aufgehört mich darüber zu identifizieren, wie meine Leistung im Außen honoriert wurde oder eben nicht. Weil ich in den letzten Jahren herausgearbeitet hatte, wer ich bin. Was mich ausmacht. Was meine Werte sind. Ich bin durch mich selbst hindurchgegangen und habe mich selbst gefunden. Hinter all dem Schmerz, den verschütteten Gefühlen, hinter der Abspaltung von mir selbst, da war ich.


Und diese Geschichte ich vielleicht eine der schönsten in meinem Leben, auch wenn sie so leise daher kam. Denn in ihr steckt eine Veränderung in meinem Inneren, die alles, aber auch wirklich alles in mir verändert hat. Und das gehe ich jetzt feiern.


Deine Patrizia


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